|
Vier
mittelalterliche Wehranlagen auf dem Hausberg bei Jena
Auf
dem Hausberg bei Jena erhebt sich neben der traditionsreichen
Gastwirtschaft wahrzeichenhaft der Fuchsturm. Er stellt den
weithin sichtbarsten Überrest einer Burgengruppe dar, die im
hohen und späten Mittelalter auf dem Höhenzug bestanden hat. Die
historische Überlieferung erwähnt drei Namen: Kirchberg,
Greifenberg und Wintberg. Die älteste Anlage, Kirchberg, wird
bereits im Jahre 937 und dann mehrmals in der zweiten Hälfte des
10. sowie im beginnenden 11. Jahrhundert chronikalisch bzw. als
Ausstellungsort königlicher Urkunden genannt. Im 11. Jahrhundert
findet auch der zugehörige Burgbezirk Erwähnung. Seit der Mitte
des 12. Jh. nehmen auf dem Hausberg königliche Burggrafen
Verwaltungsaufgaben wahr. Etwa gleichzeitig (1156) tritt das
Geschlecht der Herren von Greifenberg für ca. 100 Jahre in das
Licht der Geschichte. Erst relativ spät, im Jahr 1279, wird die
Burg Wintberg urkundlich erwähnt.
Neuere
Untersuchungen in den 1990er Jahren erbrachten durch eine
Neubewertung archäologischer Funde und die Dokumentation der auf
dem Bergrücken vorhandenen baulichen Reste den Nachweis von
insgesamt vier mittelalterlichen Burganlagen. Die zeitliche
Einordnung der geborgenen Funde bildete ein Fundament für eine
neue Zuweisung der bisher bekannten Namen zu den vier Burgstellen.
Sie ermöglichten, die ottonische Burg Kirchberg des 10.
Jahrhunderts westlich des Fuchsturmes, die Burg mit dem Fuchsturm
als später zu deren Schutz errichtete Reichsburg sowie die Burg
Greifenberg und die Burg Wintberg als freieigene Adelssitze auf
der Ziegenkuppe bzw. auf der östlichen Erhebung zu lokalisieren.
Anhand
der schriftlichen Überlieferung wird auf dem Hausberg
exemplarisch der Kampf zwischen Reichsgewalt und Landesherrschaft,
sowie Landesherrschaft und Territorialgewalt an diesem strategisch
bedeutsamen Punkt deutlich, der im wesentlichen durch die mit
Hilfe schwerer Belagerungstechnik erfolgreiche Eroberung von drei
der vier Anlagen im Jahre 1304 und der damit erreichten
Ausschaltung der reichsunmittelbaren Burggrafschaft und deren
Eingliederung in die von den Wettinern aufgebaute
verwaltungspolitische Struktur in Vogteien und nachfolgend Ämter,
seinen Abschluss fand.



|